Die Klaffenbacher Bergschenke

Beiträge zur Heimatgeschichte Teil 2

Das Sächsische Staatsarchiv besitzt ein altes Gerichtsbuch der Rittergutsherrschaft Neukirchen, das über die Grundstücksverkäufe und Erbteilungen in Klaffenbach ab dem Jahre 1702 Auskunft gibt. Mitunter reichen die Informationen auch weiter in die Vergangenheit zurück, etwa dann, wenn ältere Verträge als Abschriften in spätere Urkunden eingeflossen sind. Ein solcher Fall gestattet uns Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Klaffenbacher Bergschenke.
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Abbildung 1- Bergschänke um 1936

Der Kaufvertrag des Bauerngutes Klaffenbacher Hauptstr. 161 aus dem Jahre 1719 beschreibt die Lage dieses Gutes als “… zwischen George Klugens wüstem und Peter Hähnels Wohn Guthe, wie auch umb gnädiger Herrschafft Schenke herumb gelegen…”
Dann heißt es: “… insonderheit wegen gnädiger Herrschafft Schenke als zu welcher von diesen Guthe der Plaz von Samuel Hähneln damahligen Besizern des Guths unwiederruffl. gelaßen worden /: besage des untern 27. Octobr: 1671. von damahliger gnädiger Herrschafft Herrn Herrn [sic!] Reinhard Dietrichen Freyherrns von Taube confirmirten Contracts :/ dieses Inhalts:”
Die Gutsherrschaft erwarb somit 1671 Land zur Errichtung “eines neuen Schenckhaußes und Stalles uff der ober Claffenbacher”. Zehn Steuerschocke wurden vom Gut auf die neue Schenke übertragen.
Außerdem sollten die Ackerflächen von der Landstraße bis herein ins Dorf von Mitfasten bis Michaelis von der Neukirchner Schafhütung verschont bleiben.
Der Besitzer des Gutes sollte in Seuchenzeiten weder mit Beherbergung noch dem Abtransport von Kranken aus der Schenke behelligt werden, auch durfte er sich wegen Ungelegenheiten “offtmahls von losen Gesindel geschehend” jederzeit um Hilfe an die Gutsherrschaft Neukirchen wenden. Die Gutsherrschaft behielt sich hingegen den Weiterverkauf der Schenke vor. Auch eine Erweiterung der Schenke um eine Schmiede oder ein anderes Gebäude gegen Wegnahme weiterer sechs Steuerschocke sowie das Anlegen von drei Brunnen mit Röhrleitungen auf dem Grund des Bauerngutes hinter der Landstraße sind ausdrücklich im Vertrag genannt. Zu guter Letzt sollten “die uf der Schenke sterbende Menschen einen freyen Leichenweg doch hinter seinem Hoff uff der obern seiten bey der Scheune vorbey herein in seine Gaße bis ins Dorff Claffenbach iederzeit ungehinderheit behalten.” Dieser letzte Passus ist insofern interessant, als er beweist, daß der normale Fernverkehrsweg eben nicht durch das Dorf führte, sondern in etwa der heutigen Trassenführung der B95 entsprach.
Die Schenke verblieb zunächst im Besitz der Gutsherrschaft. Am 20. April 1753 verkaufte Marianna verwitwete Freifrau von Taube, geb. von Schönberg die “sogenannte Berg-Schenke zu Claffenbach” für 500 Taler an Johann Gottfried Friedrich aus Euba. Bis 1862 waren die Friedrichs nun Wirte und Posthalter in der Bergschenke. Wie die Schenke zu dieser Zeit ausgestattet war, darüber vermittelt der Eintrag im Brandkataster von 1839 eine Vorstellung.
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Abbildung 2 – Eintrag der Bergschenke im Entwurf zum Brandkataster 1839, Besitzer war damals Karl August Friedrich

Neben dem Wohnhaus mit angebautem Backofen sind ein Scheun- und Stallgebäude, ein Pferdestall- und Schuppengebäude mit angebauter Schmiedewerkstatt, ein bloßes Stallgebäude und das Wasserhaus aufgezählt. Während dieser Zeit wurde in der Schenke offenbar sogar Brot gebacken, denn es gibt einen allerdings durchgestrichenen Hinweis auf einen Brotschuppen. Einige Feldkäufe im 19. Jahrhundert deuten darauf hin, daß auch eine eigene Landwirtschaft unterhalten wurde.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es nicht nur mehrere Besitzerwechsel, sondern auch größere bauliche Veränderungen. So erfolgte 1883 ein Neubau anstelle eines abgebrannten Seiten- u. Wohngebäudes und der Abriß eines Teils des Hauptgebäudes. 1912 kam es zu einem weiteren Um- und Ausbau durch die Familie Langer. Am 12./13. Februar 1945 brannte das gesamte Anwesen nach einem Luftangriff aus Löschwassermangel nieder. Die Gastwirtschaft konnte zwar 1951 durch die Tochter, Frau Hauschild wieder eröffnet werden, mußte aber schon drei Jahre später wieder schließen. Die Familie Langer hatte danach nur noch etwas Landwirtschaft. Später befand sich auf dem Gelände ein Stützpunkt des Straßen- und Winterdienstes.

Quellen zu diesem Artikel:

  1. Andreas Bochmanns Kauf um seines Vaters Christian Bochmanns hinterlassenes Gut,Sächs. Staatsarchiv, StA Chemnitz, 12613 Gerichtsbücher, Nr. 188 Klaffenbach, fol. 125
  2. Erörterung über die Regulierung der Hufenverhältnisse in den unter das Rittergut Neukirchen gehörigen Dörfer, Sächs. Staatsarchiv, StA Chemnitz, 30727 Grundherrschaft Neukirchen bei Chemnitz, Nr. 214
  3. Johann Gottfried Friedrichs Kauf und Lehn über die Bergschenke, Sächs. Staatsarchiv, StA Chemnitz, 12613 Gerichtsbücher, Nr. 188 Klaffenbach, fol. 380
  4. Die Besitzverhältnisse des Dorfes Klaffenbach in der Amtshauptmannschaft Chemnitz, Sachsen. 1569-1936, Otto Max Schüppel, Typoscript
  5. Unsere Heimat Klaffenbach, Geiger-Verlag Horb am Neckar, 1993, ISBN 3-89264-825-5

Bildnachweis:

  1. Geschichtsverein Klaffenbach (Abbildung 1)
  2. Entwurf zum Brandversicherungskataster für die zum Rittergut Neukirchen und Höckericht gehörigen Dörfer, Sächs. Staatsarchiv, StA Chemnitz, 30727 Grundherrschaft Neukirchen bei Chemnitz, Nr. 213 (Abbildung 2)

Bilderrätsel Nr. 19

Das gesuchte Haus war die Hauptstraße 39.
Es wurde auch als Gemeindekrankenhaus bezeichnet, weil es Leuten zur Verfügung gestellt wurde, die nicht mehr arbeiten konnten und daher auf Gemeindealmosen angewiesen waren. 1881 wurde das Haus von der Gemeinde einem Strumpfwirker namens Friedrich Hermann Schüppel verkauft. 1913 erbte seine Tochter Anna Maria Heydrich das Haus.
Weitere Besitzerwechsel folgten.
Die kleine Brücke vor dem Haus, aus alten Betonschwellen hergestellt, und ein darunterliegendes Gasrohr war für den Dorfbach immer ein Hindernis, wenn bei Starkregen die Wassermassen allerlei Unrat und Gehölze mitführte, verklemmten sich diese unter der Brücke und führten dort häufig zu Überschwemmungen.
Das Haus wurde schließlich 1989 auf Grund seines desolaten Zustandes abgerissen.

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Hier sehen wir eine Ansicht aus den 30er Jahren. Auf dem Schild über der Eingangstür ist zu lesen:
Installation elektrischer Licht- und Kraftanlagen Otto Seidel

Eine Geschichte zu unserem Rätselbild:
Eine Rätselfreundin hat uns zu unserem Bild eine Geschichte erzählt. Die Klaffenbacher Schule hatte 1952 die Schüler zu einer Buntmetall- und Schrottsammlung aufgerufen. Sie ist mit ihrer Freundin und einem Handwagen von Haus zu Haus gezogen, um Schrott oder eben Buntmetall einzusammeln. Nun gehen wir zum Müller-Haus, sagten sich die Mädchen, so wurde das Haus unseres Rätselbildes nach dem Namen des damaligen Besitzers genannt. Es wurde bei der Frau nachgefragt, und sie hat den zwei Mädchen eine Stelle an der Giebelseite gezeigt, wo sie einsammeln dürfen, was gebraucht wurde. Nun wurde der Handwagen vollgeladen und dieser hoch zur Schule gezogen. An der Annahmestelle staunte man enorm über die große Handwagenfuhre. Dafür gab es eine Belohnung bzw. Auszeichnung für die Mädchen. Sie bekamen beide einen Ballen Stoff dafür, worauf sie sehr stolz waren.
Ein Vater der beiden Mädchen war Schneider und hat aus dem Stoff jedem Mädchen ein Kleid genäht. Zu der Zeit war es für die beiden Mädchen ein tolles Erlebnis und bewahrt so eine Geschichte aus einer finanziell armen Zeit immer als gute Erinnerung auch im Alter, dieses Erlebnis weiter zu erzählen.

Wie der Mensch seine Umgebung verändert hat

Beitrag zur Heimatgeschichte – Teil 1

Gerade im Frühling erfreuen wir uns gern an der aufblühenden Natur. Dies soll Anlaß sein, einmal über den tiefgreifenden Wandel nachzudenken, der sich in den vergangenen 220 Jahren im Landschaftsbild um Klaffenbach vollzogen hat.

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Das sächsische Meilenblatt, eine Karte, die um 1790 für die Belange des sächsischen Militärs aufgenommen wurde, zeigt die Höhenzüge rings um den Ort von geschlossenen Waldflächen bedeckt. Im Norden schlängelte sich die Würschnitz durch eine breite Auwiese, die von mehreren Teichen unterbrochen wurde. Während auf der Westseite in Dorfnähe die Felder größere zusammenhängende Flächen einnahmen, die gelegentlich durch Gehölze und Teiche unterbrochen waren, herrschte auf der Ostseite bedingt durch die bewaldeten steilen Hanglagen eine kleinteiligere Struktur vor. Insbesondere am sogenannten Wachtberg oberhalb der heutigen Steinbruchsiedlung reichte der Wald bis an die Dorfstraße.

Da die ausgedehnten Waldflächen viel Wasser speichern konnten, führten der Dorfbach und seine Seitenbäche mit Sicherheit wesentlich mehr Wasser als heute. 100m oberhalb vom heutigen Krystallpalast befand sich im Talgrund ein großer Karpfenteich des Rittergutes. Etwa an dieser Stelle zweigte ein Mühlgraben ab, der mit geringem Gefälle an dem westlichen Talhang entlang verlief und sein Wasser der Klaffenbacher Mühle zuführte. Geht man heute den Fußweg von der Mühle in Richtung Wasserschloß, so passiert man nicht weit von der Mühle eine kleine Schlucht. Dies ist der letzte sichtbare Rest des genannten Mühlgrabens, der sich hier mit dem Zufluß vom Schloß her vereinigte. Die Klaffenbacher Mühle umfaßte damals nicht nur eine Mahlmühle mit zwei Gängen, sondern auch eine Schneid- und Ölmühle, die alle auf die Wasserkraft angewiesen waren.

Das gesamte Wegenetz war damals unbefestigt. Bedingt durch die herrschaftliche Schäferei, die sich am heutigen Wasserschloßweg befand, wurden damals oft die Schafherden durchs Dorf getrieben. So waren die Straßen je nach Witterung sehr staubig oder schlammig. Mit Ausnahme der Bergschenke an der Annaberger Straße standen 26 Bauerngüter und etwa ebenso viele kleine Wohnhäuser in lockerer Folge entlang der heutigen Klaffenbacher Hauptstraße. Ein weiterer sehr alter Weg zieht sich westlich des Dorfes vom Wasserschloß aus in Richtung Burkhardtsdorf. Er wird manchmal als noch Kirchsteig bezeichnet, weil er für die Klaffenbacher den kürzesten Weg zur Neukirchner Kirche bildete. Im Meilenblatt ist dieser Weg als Hofeweg bezeichnet, weil die Bauern auf ihm zum Gutshof des Schlosses gelangten.

Die heutige Würschnitztalstraße war 1845 noch völlig unbebaut. Die Adorfer Straße und die Rödelwaldstraße existierten überhaupt noch nicht in ihrem heutigen Verlauf.

Warum sind nun all diese Wälder innerhalb von etwa 100 Jahren bis auf geringe Reste verschwunden? Ein Grund ist  in der Abschaffung der Frondienste ab 1834 zu suchen. Vorher waren die Bauern zwar im Besitz ihres Grund und Bodens, aber sie mußten einen großen Teil ihrer Arbeitszeit der Rittergutsherrschaft zur Verfügung stellen. Für die Bewirtschaftung ausgedehnter eigener Flächen reichte die Kraft nicht aus. Auch der Viehbestand war gemessen an späteren Zeiten eher gering, wie aus Verkaufsprotokollen der damaligen Zeit hervorgeht. So waren also Feld- und Wiesenflächen begrenzt und der Wald nahm wesentlich mehr Fläche ein als heute.

Mit der Abschaffung der Frondienste mußten die Bauern zwar noch Raten und Zinsen an die sächsische Landrentenbank zahlen, die ihnen die Ablösesumme an die Gutsherrschaft vorgeschossen hatte. Andererseits konnten sie nun frei über ihre Arbeitskraft und ihren Grundbesitz disponieren und größere Feldflächen bewirtschaften. Parallel zum Wachstum der Industriestadt Chemnitz bestand ein hoher Bedarf an Bauholz, was einen weiteren Anreiz darstellte, die Wälder abzuholzen und zu Geld zu machen. Bis 1927 verschwanden auf diese Weise fast alle Waldflächen rings um Klaffenbach. Einzig und allein im Bereich des kommunalen Rödelwaldes hat es nach 1927 noch eine Aufforstung gegeben.

Mit den Wäldern entfiel auch deren Rolle als Wasserspeicher in der Natur, so daß viele kleinere Wasserläufe versiegten. Spätestens mit Einführung der Kollektivierung in der Landwirtschaft waren die Mittel vorhanden, “störende” Bachläufe in den Feldern zu verrohren und unterirdisch abzuführen. Feuchte Wiesenflächen konnten auf diese Weise entwässert und fortan als Felder genutzt werden.

Aus heutiger Sicht erhebt sich die Frage nach dem Sinn des Ganzen. Landwirte haben es heute schwer. Noch vor Jahren wurden Flächen mit Subventionen “stillgelegt”. Heute dienen sie dem Anbau von Energiepflanzen. Die abwechslungsreiche, kleinteilige Landschaft mit ihren reizvollen Einzelheiten von einst ist unter wirtschaftlichen Zwängen einer einförmigen Kulturlandschaft gewichen. Dürfen wir Menschen wirklich ungestraft die Belange der Ökonomie über die der Ökologie stellen? Ist nicht vielmehr ein verantwortungsvollerer Umgang mit den natürlichen Ressourcen angezeigt? Fragen, über die Jeder einmal nachdenken sollte. Für Christen ist es zudem eine Frage der Ehrfurcht vor Gott.

Autor: Frank Müller

Ausschnitt Karte: Sächsisches Staatsarchiv, Bergarchiv Freiberg, 40044 Generalrisse, Nr. I 185 (MF 1606)

Vorlage und Repro: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden

Bilderrätsel Nr. 18

Rätselbild 18-1

Für unser Bilderrätsel Nr. 18 hatten wir wieder ein älteres Foto gefunden.

Dieses Haus stand in der Ortsmitte, etwas oberhalb der Gemeinde.

RB 18 - Auflösung mit Logo

 

 

Es ist das Haus Klaffenbacher Hauptstraße 103.

1994 wurde das Haus von Frau Reinhold erworben. 1998/99 befand sich darin die Fahrschule Stümpel. 2010 erfolgte Um- und Anbau von Familie Reinhold, Richtfest war im September 2010 und Einzug bereits im Dezember 2010. Die Grundmauern sind komplett stehengeblieben.

Mitglieder des Geschichtsvereins Klaffenbach e. V. sowie deren Angehörigen sind  von der Teilnahme am Bilderrätsel ausgeschlossen.