Das 5. Rad am Wagen

Diese Redewendung bezeichnet häufig eine überflüssige oder unerwünschte Sache.

Dabei hat dieses scheinbar nutzlose Gerät einst eine wichtige Rolle bei der Herstellung der ersten genauen Straßenkarten Sachsens gespielt.

Unter anderem für die Festlegung der Posttarife benötigte man die genauen Entfernungen zwischen den Poststationen entlang der verschiedenen Poststraßen. Weil die vorhandenen Karten zu ungenau waren, beauftragte der Kurfürst am 12. April 1713 den Kartographen und Pfarrer Adam Friedrich Zürner, Kursachsen neu und vollständig zu vermessen und genaue Karten zu zeichnen. Er erstellte damit die Grundlage unserer heutigen Karten.

Zur Lösung der gestellten Aufgabe konstruierte Zürner einen speziellen Meßwagen. Dieser besaß zwei Hinterräder, deren Durchmesser 1,44 Meter betrug. Somit entsprach der Umfang genau einer Dresdner Rute = 4,53 Meter. Die Umdrehungen der Räder wurden über ein Schneckengetriebe auf ein Zählwerk übertragen, auf dem eine zurückgelegte Strecke abgelesen und genau registriert wurde.

Messwagen A.F. Zürner

Quelle: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70063430

 

Nach jeweils 500 Ruten – das sind rund 2,265 Kilometer – ließ Zürner den Wagen anhalten. Ein numerierter Pfahl wurde am Straßenrand als Markierung eingeschlagen, wo später ein Viertelmeilenstein oder eine Halb- oder Ganzmeilensäule aufgestellt werden sollte. Die Halb- und Ganzmeilensäulen erhielten Entfernungsangaben zu den nächsten Poststationen jeweils in Stunden, die ein Fußgänger für die Strecke benötigte.Für schlechte Wege benutzte man eine Art Schubkarre mit Zählwerk. Diese Meßkarre wurde im Wagen mitgeführt. Das Meßrad hierfür hatte statt 1,44 Meter nur 0,72 Meter Durchmesser. Es steckte in einem Futteral und war am Wagen befestigt.

Das war das fünfte Rad am Wagen.

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