Die „neue“ kursächsische Postmeilensäule von Klaffenbach

Autor: Rolf Schmalfuß

Der eine oder andere wird es eventuell gemerkt haben, dass der kursächsische Viertelmeilenstein im Ort bereits seit einiger Zeit nicht mehr an seinem Platz unter der großen Linde gegenüber des Rathauses zu finden war. Wem es eventuell aufgefallen ist und wer sich erinnert, der Stein, einer unserer wenigen Denkmale im Ort, war stark beschädigt und verwittert. Die letzte Aufarbeitung des fast 300jährigen Verkehrsdenkmals datiert noch aus der Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Nachdem nun im Juni 2017 noch eine große Vierung aus dem Stein ausgebrochen war, wurde eine umfassende Aufarbeitung dringend erforderlich. Dankenswerterweise hat sich unser Ortsvorsteher persönlich mit eingesetzt, dass die fachliche Restaurierung auf den Weg kam. Die Untere Denkmalbehörde in Chemnitz hat die Mittel dafür zur Verfügung gestellt und der Bildhauer Volker Beier aus Jahnsdorf, der bereits die vorherige Sanierung des Steines übernahm, hat die Restaurierung nunmehr abgeschlossen.

Der Viertelmeilenstein nach seiner Restaurierung noch in der Werkstatt im Oktober 2017, Foto: R.Schmalfuß

Aufgearbeitetes Detail des Steines kurz vor Fertigstellung, Foto: R.Schmalfuß

In diesen Tagen ist der Wiederaufbau zu erwarten oder bereits vollzogen. Das kommt gerade recht, denn in den Jahren 2021/22 jährt sich das Bestehen der kursächsischen Postmeilensäulen zum dreihundertsten Male. Im Jahre 1721 hat August der Starke das Dekret verfügt, dass  „auf denen Land- und Poststraßen, an statt der höltzernen, steinerne Säulen aufgesetzet“ werden und damit seinen Land- und Grenzkommissar Adam Friedrich Zürner beauftragt, das Land zu vermessen, die Postkurse zu bestimmen und das Aufstellen der Postmeilensäulen zu beauftragen und zu überwachen. Die ersten Säulen wurden 1722 aufgestellt. Der Viertelmeilenstein von Klaffenbach trägt die Jahreszahl 1723 und ist damit recht frühzeitig in das Postsäulensystem aufgenommen. Der Stein trägt die Reihennummer 39 auf der Postroute Leipzig – Chemnitz – Annaberg – Karlsbad und ist der Vorläufer vor der Ganzmeilensäule mit der Nummer 40, die in Burkhardtsdorf nahe der Oberschule steht. Diese Säule hat eine gänzlich andere Erscheinung, sie ist ein schlanker Obelisk etwa 3,75 m hoch und wurde ebenfalls von Bildhauer Volker Beier als Nachbildung gefertigt, da der Originalstein in seinen verfügbaren Resten nicht mehr zu erhalten war. Die nächste sichtbare Säule auf diesem Kurs ist die Halbmeilensäule an der Bushaltestelle Besenschänke auf der B95 vor der Ortslage Gelenau. Diese hat wiederum ein gänzlich anderes Aussehen und trägt wie auch die Ganzmeilensäule Inschriften mit den jeweils benachbarten Ortsbezeichnungen. Die bedeutendsten Zeugnisse aus dieser Zeit sind aber die großen Distanzsäulen in den Städten, welche sich auf den Marktplätzen oder vor den Stadttoren befunden haben. Chemnitz hatte vier dieser Säulen vor dem Nicolaitor (heute Falkeplatz), vor dem Johannistor (Bahnhofstr., Zentralhaltestelle), vor dem Alten Stadttor (gegenüber Sparkassengebäude, Ecke Annaberger Straße) und vor dem Klostertor (Schmidt-Bank-Passage). Keine dieser Säulen ist uns erhalten geblieben. Die nächsten sichtbaren Exemplare dieser Distanzsäulen befinden sich in Thum, Annaberg, Frankenberg, Freiberg, Zwickau. Diese Verkehrsdenkmale sind ca. 4,50 m hoch und tragen einen Wappenteil mit einem aufwendigen barocken kursächsischen, polnisch-livländischen Wappen, eine Krone und die Initialen AR (Augustus Rex) sowie einen jeweils umfangreichen Schriftblock mit den Postrouten der angeschlossenen Kurse und den entsprechenden Entfernungsangaben. Diese basieren auf einem heute nicht mehr verwendeten Maß, der kursächsischen Meile. Diese Meilenangabe wäre noch heutiger Messung 9062 Meter, eine halbe Meile (4031 m) ist eine Stunde und diese Entfernungsangabe finden wir auf den Postsäulen jeweils wieder. Und wenn man die Angaben auf den Säulen auf dieses Maß umrechnet, kann man sehen, wie genau man bereits vor dreihundert Jahren die Poststraßen vermessen hat. Adam Friedrich Zürner bediente sich damals eines speziellen Messwagens, einer Pferdekutsche mit einem eigens dafür konstruierten Messrad, woher auch der Ausspruch stammen könnte … „das fünfte Rad am Wagen“.

Der Viertelmeilenstein von Klaffenbach steht heute nicht mehr am Originalstandort, der Postkurs verlief nicht durch den Ort, er ist eher mit der heutigen Bundesstraße B95 zu vergleichen. In den Vermessungsunterlagen von Zürner können wir über den Standort des Steines lesen „bey Annen Marien Bachmannin Guthe“,  damit sind sicher auch die zugehörigen Grundstücke gemeint und wir können davon ausgehen, dass der Standort sich in mehr oder weniger Nähe zur Bergschänke an der Bundesstraße befunden hat. Der heutige Standort des Steines gibt uns aber besser Gelegenheit an ihm zu verweilen und seine Besonderheiten in Augenschein zu nehmen. Ein großer Dank gilt den Initiatoren, Herrn Volker Beier als „Retter“ des Denkmals und allen Helfern, die zur Erhaltung und Wiederaufstellung des Viertelmeilensteins beigetragen haben.

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Rolf Schmalfuß, Mitbewohner in Klaffenbach und Mitglied der Forschungsgruppe kursächsische Postmeilensäulen
Quelle: Lexikon Kursächsischen Postmeilensäulen, 1989

Als Ergänzung zu diesem interessanten Beitrag fügen wir zwei weitere Bilder als Ergänzung aus unserem Archiv an.

Karte des ungefähren Standortes des Meilensteines – Auszug aus Meßtischblatt von 1927

Viertelmeilenstein vor Restaurierung – Aufnahme 2016

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1 Antwort

  1. Danke für die Information. Als nächstes wäre der 1977 rekonstruierte Viertelmeilenstein an der Ecke Hartmannstraße/Bergstraße in Chemnitz vom selben Postkurs zu restaurieren, der nur noch eine Inschriftenseite und keine Reihennnummer mehr hat und kürzlich erst zeitweise sein Kopfstück verlor. Er stammt vermutlich aus dem Küchwald. Quelle ebenda.

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